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Äthiopische Kunst, Geschichte und Kultur

Äthiopien

Entdecken Sie das älteste Kulturland Afrikas (Bilder) ! Äthiopien nimmt mit seinen alten christlichen Traditionen einen einzigartigen Platz in der Kulturgeschichte ein. Es ist das sagenumwobene Land des Priesterkönigs Johannes und der Königin von Saba, die Wiege der Menschheit und das Ursprungsland des Kaffees.

Kein anderes afrikanisches Land hat eine reichere Geschichte. Vor allem im Norden des Landes liegen historische Stätten von kultureller Einmaligkeit. Im Südwesten faszinieren jahrhunderte alte Traditionen, die von den Naturvölkern bis heute bewahrt wurden.

Faszination Äthiopien
Äthiopien zu entdecken heißt Neues, Interessantes und häufig auch Unbekanntes zu entdecken. Das nordäthiopische Reich von Axum war Ausgangspunkt der legendären Liebe zwischen König Salomon und der Königin von Saba und eines der ersten christlichen Königreiche der Welt. Elf in Stein gehauene Felsenkirchen in Lalibela wurden 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auf dem Tanasee befinden sich kleine Inseln mit Kirchen und Klöstern, die teilweise schon im 14. Jahrhundert gegründet wurden. Unweit des Tanasees liegt die alte Kaiserstadt Gondar mit ihren prachtvollen Gärten und Palästen. Die in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommene Altstadt von Harar weist Einflüsse ursprünglicher islamischer Kultur auf und gilt nach Mekka, Medina und Jerusalem als die vierte heilige Stadt des Islam.  

Bewegte Geschichte
Trotz vieler Versuche, das Land dauerhaft zu erobern oder zu kolonialisieren, hielten die Menschen in Äthiopien zwei Jahrtausende lang ihre Unabhängigkeit aufrecht. Der Sieg Äthiopiens gegen eine modern ausgerüstete europäische Armee ließ 1896 die ganze Welt aufhorchen.

Kunst aus Äthiopien
In den letzten zehn Jahrhunderten haben äthiopische Künstler eine erstaunliche Vielfalt an Buchminiaturen, religiösen Malereien, Ikonen und Kreuzen hervorgebracht. Aus keinem anderen christlichen Land der Welt  sind so viele verschiedene Kreuzformen bekannt. Auch in der Malerei hat Äthiopien einen ausgeprägten eigenen Charakter entwickelt. Religiöses Kunsthandwerk sowie traditionelle Gegenstände, Kleidung und Schmuck werden noch heute in aufwändiger Handarbeit nach überlieferten Verfahren hergestellt.

Wiege der Menschheit
Äthiopien war vor etwa 3,5 Millionen Jahren als erstes Land der Welt besiedelt. Das 1974 in Äthiopien gefundenen Skelett Lucy gilt als das fehlende Glied zwischen Affe und Mensch. Im Südwesten des Landes konnten sich bis heute Volksgruppen eine weitgehend ursprüngliche Lebensform erhalten. Äthiopien wird deshalb auch das „Museum der Völker“ genannt. Weltweit bekannt ist der Stamm der Mursi, dessen Frauen als Schmuck Lehmscheiben in den Unterlippen tragen.   

Ursprungsland des Kaffees
Äthiopien ist das Ursprungsland des Arabica-Kaffees.  Einem Hirten der Region Kaffa soll der Legende nach aufgefallen sein, dass die Ziegen seiner Herde, die von einem bestimmten Strauch gefressen hatten, bis in die Nacht hinein munter umhersprangen. Äthiopische Mönche brauten dann aus den Früchten der Pflanze die erste Tasse Kaffee. Die traditionelle Kaffeezeremonie war in Äthiopien schon immer ein soziales Ereignis.

„13 Months of Sunshine“
Äthiopien hat sich seine Besonderheit bis heute bewahrt. Es hat einen eigenen Kalender, der das Jahr in 12 Monate mit 30 Tagen und einen weiteren Monat mit 5-6 Tagen unterteilt. Auch die äthiopischen Uhren ticken anders: Der Tag beginnt bei Sonnenaufgang (sechs Uhr europäischer Zeit) und hat 12 Stunden. Die Nacht hat ebenfalls 12 Stunden und beginnt um 18.00 Uhr europäischer Zeit.

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DE_1.0_090504; © Copyright 2009: Ethiopian Art Gallery. Alle Rechte Vorbehalten.
 


 

Das nordäthiopische Reich von Axum

Das Reich von Axum (auch: Aksum) war eines der ersten christlichen Königreiche der Welt und ist in seiner Bedeutung in etwa mit dem europäischen Rom vergleichbar. In der Stadt Axum sehen die Äthiopier ihre nationale und religiöse Identität verkörpert. Nach ihrem Glauben ist in der dortigen Kathedrale das größte Heiligtum Äthiopiens, die Heilige Bundeslade mit den Tafeln der zehn Gebote, die Gott an Moses gesandt hatte, aufbewahrt. Diese soll der Legende nach durch den Sohn der Königin von Saba, Menelik, von Jerusalem nach Äthiopien gebracht worden sein. Aus dem Besitz dieses Heiligtums bezieht das Christentum in Äthiopien noch heute seine Eigenart und Unabhängigkeit.

Unter König Ezna (ca. 325-355) stand das axumitische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Es beanspruchte die Oberherrschaft über das antike Südarabien ebenso wie von Gebieten im heutigen Sudan. Von den Feldzügen König Eznas zeugen riesige Stelen, die in Aksum zu besichtigen sind. Eine dieser Stelen wurde während der Zeit der italienischen Besatzung nach Rom entführt und nach einem langen diplomatischen Streit an Äthiopien zurückgegeben.


Die Liebe zwischen König Salomon und der Königin von Saba
und die Geschichte der Heiligen Bundeslade


Nach der äthiopischen Version der biblischen Legende herrschte im Reich von Aksum die sagenhafte Königin von Saba. Diese hörte von der Weisheit König Salomons, der sie wegen ihrer durch einen Kaufmann berichten Schönheit zu sich nach Jerusalem einlud. In Jerusalem verliebten sich die beiden ineinander. Da sich die Königin den Werbungen Salomons jedoch zunächst verweigerte, griff dieser zu einer List. Er lud die gesamte äthiopische Gefolgschaft zu einen Fest mit scharf gewürzten Speisen ein. Weil es bei dem Fest sehr spät wurde, lud Salomon die Königin ein, in seiner Kammer im Palast zu nächtigen. Allerdings sollte sie sich dort an nichts vergreifen, was ihm gehöre, sonst habe sie ihm zu Willen zu sein. Die Königin willigte ein. Wegen der zuvor gegessenen scharfen Speisen bekam sie jedoch nachts großen Durst. Sie schlich deshalb zu dem mit Wasser gefüllten Pokal am Bett Salomons und trank daraus. König Salomon, der sich schlafend gestellt hatte, forderte sie daraufhin auf, sich zu ihm zu legen.

Wieder nach Axum zurückgekehrt gebar die Königin einen Sohn, den sie Menelik nannte. Als dieser ein junger Mann war, fragte dieser seine Mutter nach ihrem Vater. Die Königin erzählte ihm von Salomon, den Menelik daraufhin besuchen wollte. In Jerusalem wurde Menelik von seinem Vater erkannt uns mit großer Freude aufgenommen. Menelik kehrte später mit einem großen Gefolge – bestehend aus den Söhnen der vornehmsten Stämme Israels – nach Äthiopien zurück. Noch in der Nacht der Abreise sollen diese ohne Wissen Meneliks die Heilige Bundeslade aus dem Tempel in Jerusalem gestohlen haben. Als Salomon den Diebstahl bemerkte, versuchte er die Diebe zu verfolgen. Doch Gott lies sie mit dem Heiligtum entkommen. In den Tempel in Jerusalem soll daraufhin eine Kopie der Lade gestellt worden sein während das Original zunächst in einem der Klöster am Tanasee verwahrt und später nach Aksum gebracht wurde. Dort soll sie noch heute zu finden sein. (2009-08-18)


Lalibela - das äthiopische Jerusalem

Die elf in roten Tuffstein gehauenen Felsenkirchen von Lalibela gehören zu den wichtigsten Kunstwerken des Christentums. Sie gelten bis heute als die größten je von Menschenhand geschaffenen monolithischen Strukturen. Die Kirchen wurden 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.Zum äthiopischen Weihnachtsfest am 7. Januar und zu Ostern versammeln sich christliche Orthodoxe aus allen Landesteilen in Lalibela

Einer Legende nach zeigte Gott dem heiligen König Lalibela, der im 11. Jahrhundert in Äthiopien gelebt haben soll, im Traum die Stadt Jerusalem und wies ihn an, in Lalibela ein zweites Jerusalem zu errichten. Dieser lies daraufhin seine Handwerker die mehrstöckigen Kirchen in das rote Tuffgestein meißeln. Da niemand sich vorstellen konnte, dass solche beeindruckenden Bauten von Menschenhand geschaffen wurden, entstand der Glaube, dass Engel am Bau der Kirche beteiligt waren.
Historiker vermuten einen Zusammenhang zwischen der Errichtung des symbolischen Jerusalems und dem Ende der Kreuzzüge: Jerusalem war 1187 von ägyptischen Sultan Saladin zurückerobert worden. Die Möglichkeiten der äthiopischen Christen für eine Pilgerfahrt in die Heilige Stadt hatten sich dadurch sehr verschlechtert. König Lalibela sah sich daraufhin womöglich veranlasst, seinen ohnehin schon begonnen Komplex an Felsenbauten zu einem Ersatz für Jerusalem auszubauen.

Die elf Felsenkirchen Lalibelas sind in drei Gruppen unterteilt:

  • Nördliche Gruppe: Umfasst die Kirchen Bet Medhane Alem, die das Lalibela-Kreuz beherbergt und als die größte monolithische Kirche der Welt gilt und als Vorbild offensichtlich die Kirche Sankt Maria von Zion in Aksum hatte, Bet Maryam, die wahrscheinlich älsteste der Kirchen, Bet Golgotha mit dem Grab von König Lalibela und fantstischen Kunstgegenständen, Selassie-Kapelle und Grab von Adam. 
  • Westliche Gruppe: Umfasst die weltbekannte Kirche Bet Giyorgis, die als vollendet gilt.
  • Östliche Gruppe: Umfasst die vermutete ehemalige Hofkapelle Bet Amanuel, das vermutete ehemaligen Gefängnis Bet Merkorios, Bet Abba Libanos, dem vermuteten ehemaligen Königspalast Bet Gabriel-Rufael, der mit der Heiligen Bäckerei verbunden war sowie etwas weiter entfernt die Kloster Ashetan Maryam, die Kirche Yimrehane Kristos.


Gondar - Afrikas Camelot

Schon aus der Ferne sind die Türme der Paläste und Burgen von Gondar, Afrikas Camelot, zu sehen. Hoch ragen sie in den Himmel und erinnern an die einstige Vormachtstellung und Pracht der alten Stadt äthiopischer Könige. Besonderer Blickfang und hervorragend erhalten ist die von einer hohen Steinmauer umgebene Fasilidas-Burg, benannt nach Kaiser Fasilidas (1632-1667), unter dem Gondar zu einem bedeutenden Kultur- und Handelszentrum aufstieg. Bis heute wird jeden Januar beim Timket-Fest im Bad des Fasilidas die Taufe von Jesu Christi mit Musik und Tanz gefeiert. Viele Pilger kehren auch in die für ihre Malereine bekannte Kapelle Debre Berhan Selassie ein, deren Wandmalereien als die schönsten in ganz Äthiopien gelten.  


Der Tanasee - Quelle des blauen Nils

Auf den Inseln des Tana-Sees befinden sich zahlreiche Klöster und Kirchen. Durch ihre isolierte Lage boten diese seit jeher Schutz für die dort aufbewahrten Kirchenschätze und Handschriften. Die Entstehung dieser für das äthiopische Christentum sehr bedeutenden Orte reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück.

Um den See ranken sich phantastische Legenden. So soll die Heilige Familie bei ihrer Flucht von Palästina nach Ägypten einhundert Tage lang auf einer der Inseln gerastet haben. Noch heute ist dort ein Halsband zu besichtigen, dass die Jungfrau Maria zurückgelassen haben soll. In einem der Klöster des See wurde der äthiopischen Überlieferung nach zudem die Heilige Bundeslade zuerst aufbewahrt, nachdem sie von Menelik, dem Sohn Sohn der Königin von Saba und König Salomons, von Jerusalem nach Äthiopien gebracht worden ist.

Der Tanasee ist der größte See des äthiopischen Hochlandes. Mit seiner Fläche von etwa 3.600 Quadratkilometern ist er in etwa sieben Mal so groß wie der Bodensee. Aus dem Tanasee ergießt sich in einem eindrucksvollen Naturschauspiel der Blaue Nil, der sich im Sudan mit dem weißen Nil vereinigt.


Harar, die weiße Stadt

Das im Osten Äthiopiens liegende Harar ist seit mehr als 1000 Jahren das Zentrum des muslimischen Glaubens in Äthiopien. Die Stadt gilt nach Mekka, Medina und Jerusalem als die viertheiligste Stadt des Islam. Harars Altstadt beeindruckt mit einer dicken, etwa drei Kilometer lange Stadtmauer, weiß getünchten Häusern, farbenfrohen Märkten sowie sage und schreibe 99 Moscheen und dazu zahlreiche Koranschulen und Heiligenschreine.

Harar war und ist eine für ihr Kunsthandwerk berühmte Handelsstadt. Die aus Harar stammende Korbflechtereien sind in ganz Äthiopien bekannt. Zahlreiche Geschäfte bieten Schmuck und traditionelle Kleidung an, die sie an vorbeiziehende Nomaden verkaufen. Vor einem der Tore gibt es einen großen christlichen Markt. Das friedliche Nebeneinander der Religionen in Harar gilt als vorbildlich. Die UNESCO würdigte deshalb die Stadt 2004 für "Frieden, Toleranz und Solidarität" und zeichnete sie mit dem Cities-for-Peace-Preis aus. Eine bekannte Sehenswürdigkeit in Harar sind auch die Hyänenmänner. Sie haben wilde Hyänen so dressiert, dass sie nachts auf ihr Rufen hin kommen und sich mit Aas füttern lassen. Da Hyänen sehr scheue Tiere sind, ist dieses Schauspiel sehr beeindruckend.
  
 
Äthiopien ist das Museum der Völker

Das Omo-Tal ist die Heimat vieler Nomadenstämme, die sich ihre ursprüngliche Lebensform (Traditionen, Sitten und Bräuche) weitgehend bewahrt haben. Inmitten einer faszinierenden Naturlandschaft und abgeschieden von der Zivilisation leben diese Völker in einer lebendigen, jahrhunderte alten Welt. Das in Südäthiopien gelegene Gebiet wird deshalb auch das "Museum der Völker" genannt. Es repräsentiert ein "Bilderbuchafrika", das es in nicht allzu ferner Zeit wohl nicht mehrgeben wird. Jede dieser ethnischen Gruppen in den Nationalparks des Oromo-Tals (der Omo und Mago Nationalpark), hat ihre eigene Sprache und Kultur.

Eine der größten Volksgruppen im Omo-Tal sind die Hamar. Sie schützen Ihre Felder mit Flötenspiel gegen Vögel und Affen und fangen Fische mit bloßen Händen. Beim Bullensprung, einem archaischen Initiationsritus, laufen junge Hamar-Männer über den Rücken von Rindern. Weltweit sehr bekannt sind auch die Mursi mit ihren auffälligen Lippen- und Ohrentellern, die von den Mursi-Frauen als Schmuck getragen werden. Mit der Größe der als Schönheitsideal geltenden Teller in Lippen und Ohren steigt der einem Mursi-Mädchen entgegengebrachte Respekt und späterer ihr Brautpreis! Die Krieger des Mursi-Stammes ritzen sich für jeden getöteten Feind einen sichelförmigen Schnitt in den Arm. Das Volk der Konso ist vor allem durch seine Handwerkskunst bekannt. Die Männer weben Stoffe und verarbeiten Metall und Holz. Die Frauen gerben Leder und töpfern. Bekannt gemacht hat sie ihr Totenkult: Zur Erinnerung an Verstorbene werden große Holzfiguren, nach der obersten Konso-Gottheit "Waka" genannt, geschnitzt und aufgestellt. Der Geist eines Toten soll so darin weiterleben. Die Skulpturen tragen stilisiert die Gesichtszüge der Verstorbenen. Handelte es sich bei dem Verstorbenen um eine wichtige Persönlichkeit, gruppiert man sogar dessen Frauen und Feinde als Waka um den Helden. Oft tragen die Holzfiguren einen Phallus als Kopfschmuck als Zeichen, dass es sich bei dem Toten um einen gefürchteten und starken Krieger gehandelt hat.

Weitere bekannte Stämme: Surma, Karo, Dassnet, Konso und Benna. Einige schmücken sich tagtäglich kunstvoll mit Zweigen, Blättern und Blüten und bemalen ihre Körper kunstvoll mit Farben aus Vulkanerde. Bunte Federn, Büffelhörner, Ketten aus Schneckenhäusern oder Gamaschen aus Zebufell komplettieren ihre sehenswerten natürlichen Gewänder.


Wiege der Menschheit

Donald Johansen fand 1974 in der Afar-Senke, dem Gebiet der Afar-Nomaden, das etwa 3,5 Millionen Jahre alte Skelett von "Lucy". Der Fund des US-amerikanischen Paläoanthropologen war eine Sensation: "Lucy" ist das erste fast vollständig erhaltene Skelett eines Australopithecus afarensis, jener Gattung auf dem Entwicklungsweg vom Affen zum Menschen, die als erste den aufrechten Gang übte. Seinen Namen soll das Skelett der Tatsache verdanken, dass im Camp der Forscher mehrmals am Tag der Beatles-Song "Lucy in the Sky with Diomands" lief.



Äthiopien ist die "Urheimat" des Kaffees

In keinem anderen Land der Welt ist die Kaffeekultur so tief verwurzelt wie in Äthiopien. Dies liegt daran, dass Kaffee seine Urheimat in der äthiopischen Provinz Kaffa hat. Ein Indiz dafür, dass Kaffee ursprünglich aus Äthiopien kommt, ist auch die seit Jahrhunderten im Land praktizierte traditionelle Kaffezeremonie.

Die äthiopische Kaffeezeremonie ist die wohl ursprünglichste Zubereitungsart von Kaffee überhaupt und ein den äthiopischen Alltag prägendes soziales Ereignis. Nachbarsfrauen laden sich reihum mehrmals am Tag hierzu ein und tauschen die wichtigsten Neuigkeiten aus. Dabei sitzt die Gastgeberin auf einem niedrigen Hocker auf einem Platz, der zuvor mit frisch geschnittenem Gras bestreut wird. Sie röstet zunächst die getrockneten grünen Kaffeebohnen über dem Feuer. Danach geht sie herum und bläst den Duft des frisch gerösteten Kaffees den Gästen ins Gesicht. Diese preisen die Gastgeberin für ihre Kunst. Die gerösteten Bohnen werden anschließend in einem Mörster gestampft und in einem kugelförmigen Topf mit langer Tülle (genannt "jabana") dreimal aufgekocht. Bis zu dreimal wird danach der selbe Kaffee aufgekocht und den Gästen mit Zucker in kleinen runden Tassen serviert.

Die erste Tasse Kaffee brauten der Legende nach bereits im frühen Mittelalter äthiopische Mönche der Provinz Kaffa. Einem Hirten war aufgefallen, dass einige seiner Ziegen, die von einem bestimmten Strauch gefressen hatten, bis in die Nacht hinein Munter umhersprangen. Er bekalgte sich darüber bei den Möchen eines nahe gelegenen Klosters. Diese forschten nach und bereiteten aus den Früchten der Planze einen Aufguss. Dieser gilt als die erste Tasse Kaffee. Nachdem die Mönche hiervon getrunken hatten, konnten sie bis spät in die Nacht wach bleiben, beten und miteinander reden. Bei dem aus Äthiopien stammenden Wildkaffee handelt es sich um Arbaica-Kaffee. Nur in den Regenwäldern Südäthiopiens ist diese Kaffeesorte in ihrer ursprünglichen Wildform zu finden. Vermutlich im 14. Jahrhundert gelangte äthiopischer Kaffee nach Arabien. Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha ("Mokka"), das heutige al-Mukha im Jemen.  (2009-08-18)


Der Priesterkönig Yohannes (Prêtre-Jean, Priester John)

Über Jahrhunderte hinweg hielt sich im Mittelalter der Glaube an ein mächtiges christliches Reich im Rücken der gegen Europa ziehenden nichtchristlichen Völker. Die Kreuzritter sind zu dieser Zeit im Heiligen Land empfindlich geschlagen und Jerusalem steht auf dem Spiel. Gerne glaubten die europäischen Herrscher und Päpste deshalb daran, dass ihnen ein großer König, der zugleich ein christlicher Priester ist, gegen die muslimischen Heere zu Hilfe eilen würde. Man nahm an, dass dieser König ein unmittelbarer Nachfahre einer der Heiligen drei Könige ist.

Im 13. Jahrhundert glaubten die Europäer, dass das sagenhafte Reich des Priesterkönigs Johannes in Äthiopien liegt. Entstanden ist die Sage durch ein Schreiben, dass im 12. Jahrhundert Papst Alexander III. erhielt. In diesem bietet ihm ein bis dahin nicht bekannter Priesterkönig Johannes, genannt "Presbyter", Unterstützung bei der Verteidigung von Jerusalem an. Er schreibt, Jerusalem mit "10.000 Rittern sowie 100.000 bewaffneten Fußsoldaten" verteidigen und "die Feinde des Kreuzes Christi" bekämpfen zu wollen. Alexander III. sendet daraufhin Kopien des Schreibens zu den Fürsten Europas. Er hofft, dass dieser unerwartete mitlitärische Beistand sie dazu bewegt, einen neuen Schlag gegen den Isalm zu führen. Doch die Kreuzritter warten vergeblich auf die angekündigte Verstärkung.


Bewegte Geschichte: Die Schlacht von Adua

Äthiopien ist der einzige afrikanische Staat, der in der Zeit der Kolonialisierung erfolgreich seine Unabhängigkeit verteidigte. Die 1896 vom äthiopischen Kaiser Menelik bei Adua (Adwa) siegreich geführte Schlacht gegen eine modern ausgerüstete italienische Invasionsarmee prägt den Nationalstolz Äthiopiens bis heute.

Italien setzte damals an, eine der führenden Kolonialmächte in Afrika zu werden und scheiterte an Äthiopien kläglich. An nur einem einzigen Tag verloren die Italiener etwa 8.000 Mann und ihre gesamte Artellerie. Tausende italienische Soldaten und die sie begleitenden eritreischen Hilfstruppen wurden gefangengenommen. Offenbar hatte General Oreste Baratieri das Geschick und die Kampfkraft der bei der Verteidigung ihres Landes hoch motivierten äthiopischen Truppen maßlos unterschätzt. Ein weiterer Grund für den Sieg war es, dass Italien selbst wenige Jahre zuvor tausende moderne Gewehre an Äthiopien geliefert hatte.

Italien wurde nach der weltweit beachteten Niederlage gezwungen, Reparationen zu leisten. Mehrere hundert italienische Gefangene wurden zum Bau der neuen Hauptstadt, Addis Abeba, zwangsverpflichtet. Die übrigen etwa 3.000 Kriegsgefangenen durften erst nach Italien zurückkehren, nachdem Italien die vollständige Unabhängigkeit Äthiopiens anerkannt hatte. Dass sich Italien dennoch in seiner benachbarten Kolonie Eritrea halten konnte, ist wahrscheinlich nur dem Umstand zu verdanken, dass Kaiser Menelik aus innenpolitischen Gründen auf einen Gegenangriff verzichtete. Zudem befürchtete er wohl, das ein Marsch zur Küste die übrigen Konolialmächte auf den Plan rufen würde. In Italien führte die Niederlage von Adua zu einer schweren Regierungskrise und dem Rüchtritt des Ministerpräsidenten.

Die "Schmach von Adua" blieb in Italien nicht vergessen. Unter dem faschistischen Mussolini marschierten die Italiener 1935 erneut in Äthiopien ein. Sie besetzten unter heftigem Widerstand, den sie nur durch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Senfgas überwinden konnten, Addis Abeba. Kaiser Haile Selassie floh nach England ins Exil und kehrte erst 1941 mit Unterstützung Englands zurück. Trotz der immensen Grausamkeiten, die Italien während der Zeit seines Protektorats anwendete um den Widerstand in Abessinien (Äthiopien) zu brechen, schafften es die Italiener jedoch nie, das gesamte Land vollständig zu beherrschen. (2009-08-18)


Äthiopische Juden

Die Falasha sind äthiopische Juden. Kleine Gruppen leben um Gondar und am Tanasee. Sie nennen sich selbst Beta Israel (Haus Israel). Ihre Herkunft ist nicht genau geklärt und gilt als geheimnisvoll. Da Ihnen Landbesitz untersagt war, üben sie oft Handwerksberufe aus, Die Frauen gelten als geschickte Töpferinnen und Korbflechterinnen. Männer sind Schmiede, Weber oder Gerber. Bekannt sind die Falsha vor allem durch ihre Lehmfiguren, die verschiedene Geschichten des Judentums wiedergeben. Auch als Silberschmiede sind die Falasha berühmt. Die von ihnen hergestellten Davidsterne sind ein jüdisches Glaubenssymbol, das Glück bringen soll.

Die Falasha-Juden sind die älteste Gruppe der jüdischen Diaspora. Wie die äthiopischen Amharen, glauben sie, direkte Nachkommen aus der Begegnung von Mekeda, der Königing von Saba, und von Salomon, dem König von Israel, zu sein. Andere Quellen vermuten den Ursprung der äthiopischen Juden in einem der zehn Stämme Israels, die sich von den ursprünglichen zwölf Gruppen lösten. Sie sollen der verlorene Stamm "Dan" sein und durch die ägyptische Wüste nach Äthiopien eingewandert sein. Im 16. Jahrhundert besaßen die äthiopischen Juden ein eigenes Königreich in Westäthiopien.

Mit dem Begriff Falasha werden in Äthiopien auch Fremde oder Außenseiter bezeichnet. Die Fellachen nennen sich deshalb selbst "Beta Israel", was "das Haus Israels" bedeutet. Wie in Europa waren die Juden auch in Äthiopien immer wieder Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt. Unter der Schreckensherrschaft des marxistischen Diktators Mengistu (1977-1991) ging es den Juden in Äthiopien immer schlechter. Unter anderem wurden ihnen die in den 80er Jahren in Äthiopien auftretenden Missernten und Hungersnöte zugeschrieben. Die israelsiche Regierung erkannte die äthiopischen Juden 1973 offiziell als die Beta Israel an und erklärte, dass auch für sie das israelische Rückkehrgesetz gelte. In mehreren zum Teil spektakulären Aktionen wurden anschließend bis in das Jahr 1991 hinein tausende äthiopischer Juden nach Israel ausgeflogen (1985: "Operation Mose", 15.000 Juden,  1991: "Operation Salomo", 14.000 Juden).  (2009-09-03
 

Rastafari in Äthiopien

Für die Anfang des 20. Jahrhunderts auf Jamaika gegründete Rastafari-Bewegung ist Äthiopien das biblische "Zion" und die äthiopische Kleinstadt Shashemene das irdische Zentrum ihres Glaubens. Sie verehren den als Ras Tafari Makonnen geborenen ehemaligen äthiopischen Kaiser Haile Selassie als den ihnen angekündigten Messias. Als Haile Selassie 1966 Jamaika besuchte, wurde er begeistert empfangen. Die Rastas interpretierten die bei seiner Landung wegziehenden Wolken als ein Wunder Gottes. Sie glauben, Haile Selassie habe bei seinem Staatsbesuch eine heimliche Botschaft für sie hinterlassen: Erst die Beseitigung des (weißen) babylonischen Systems in Jamaika, dann die Heimkehr in das gelobte Land. Dennoch übersiedelten einige Jamaikaner nach Äthiopien. Sie wurden von Haile Selassie in der Gegend um Shashemene angesiedelt, wo noch heute eine Rastafari-Gemeinschaft lebt.

Die Heilslehre der Rastafari setzt die schwarzen Sklaven mit dem nach Babylon verschleppten Volk der Juden gleich. Die Schwarzen müssen demnach aus der Diaspora zurück nach Afrika in das gelobte Land geführt werden. Sie glauben, dass die "weiße Bibel" eine Fälschung ist, die wieder auf ihren wahren (schwarzen) Kern zurückgeführt werden müsse.

Weltweit bekannt geworden ist die Rastafari-Bewegung vor allem durch Bob Marley und seine Reaggae-Musik. Diese Musikrichtung hat einige ihrer Elemente aus dem äthiopischen Kaisertum entlehnt. Viele ihrer Anhänger schmücken sich mit den Nationalfarben Äthiopiens und dem "Löwen von Judah", der als Symbol des früheren äthiopischen Kaisers Haile Selassies gilt. Zu Ehren des 60. Geburtstages des 1981 verstorbenen Rasta-Anhängers Bob Marley fand 2005 in der ähiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein gigantisches Konzert mit mehr als einer halben Millionen Besucher statt. (2009-08-18)

Rastafari in Äthiopien

Für die Rastafari-Bewegung ist Äthiopien das biblische "Zion" und die äthiopische Kleinstadt Shashemene das irdische Zentrum ihres Glaubens. Sie glauben, dass sie dem biblischen Volk Israel angehören, welches in der Gefangenschaft und Diaspora lebt und  verehren den als Ras Tafari Makonnen geborenen ehemaligen äthiopischen Kaiser Haile Selassie I als den ihnen angekündigten Messias. Weltweit bekannt wurde die Bewegung durch den Rasta Bob Marley und seine Musik.

Entstehung der Bewegung: 
Die Rastafari-Bewegung geht bis in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1916 gründetet der auf Jamaika geborene Marcus Garvey in den USA die Universal Negro Improvement Association (UNIA), welche unter anderem die Heimkehr aller in die Gefangenschaft entführten afrikanischen Sklaven und deren Nachkommen nach Afrika propagierte. Als Marcus Garvey die Worte sprach: "Seht nach Afrika, wo ein schwarzer Koenig gekrönt werden wird ... und durch ihn wird der Tag der Befreiung kommen", ahnte er wohl nicht, dass ihn diese Worte innerhalb der Rastafari-Bewegung zum Propheten machen würden. Zwar werden diese prophetischen Worte inzwischen seiner Ehefrau zugeschrieben, doch ändert dies nichts daran, dass für die Rastafaris eine göttliche Prophezeiung in Erfüllung ging, als der 1892 geborene Ras Tafari Makonnen 1930 als „Haile Selassie I, König der Könige, Siegreicher Loewe aus dem Stamme Juda ..." zum Kaiser Äthiopiens gekrönt wurde. 

Göttliche Erscheinung: Als Haile Selassie I 1966 Jamaika besuchte, wurde Ihm ein grandioser, wenn auch chaotischer Empfang zuteil. Es hatte längere Zeit nicht geregnet auf der Insel, doch in den Tagen vor seinem Besuch soll es in Strömen geregnet haben. Bis genau zu dem Zeitpunkt, wo die Maschine der Ethiopian Airlines am Himmel erschien, sich die Wolken teilten und die viermotorige Douglas auf dem überschwemmten Rollfeld aufsetzte. Zeitzeugen wollen im Gefolge des Flugzeugs einen Schwarm weisser Tauben oder einen Regenbogen in den Wolken gesehen haben. Einige glauben sogar, die Stigmata Christi in den Händen von Haile Selassie I gesehen zu haben, als dieser ihnen zuwinkte. Auf jeden Fall war das Rollfeld schnell überlaufen mit Anhängern Haile Selassies I. Jede Kontrolle oder Förmlichkeit eines Staatsbesuches war erstmal dahin. Alte Filmaufnahmen zeigen ein völlig umranntes und umtanztes Flugzeug und einen lächelndeln äthiopischen Kaiser an der Gangway.

Heimat Äthiopien: Nach dem Besuch Haile Selassies I auf Jamaika besuchte ihn eine kleine Delegation von Abgeordnetetn der jamaikanischen Rastafaribewegung in Äthiopien. Der Kaiser stellte ihnen ein Stück Land in der Arsi-Region zur Verfügung. Dieses Land - gelegen um die Kleinstadt Shashemene herum - sollte bebaut und kultiviert werden und der Bewegung zur freien Verfuegung stehen. Alsbald kamen Siedler aus Jamaika nach Äthiopien und errichteten um Shashemene herum kleine Häuser, welche meist durch die vier verschiedenen Kirchen - oder "Houses" - gestützt wurden, die sich innerhalb der Bewegung herrauskristallisiert hatten (Nyahbinghi , Bobo Ashanti , Ethiopian World Federation, Twelve Tribes of Israel). Alle vier Häuser haben bis heute ihren "Tabernacle" oder ihr "Headquarter" in Shashemene und etliche anwohnende Gläubige, die dort leben und die Stellung halten. Inzwischen trifft man jedoch Rastas überall im Lande, nicht nur in Shashemene. Wie jeder andere Einwanderer auch, unterliegen sie keinen Siedlungs- oder Reisebeschränkungen mehr.

Afrikanische Bibel:: Die Rastafaris glauben, dass sie dem biblischen Volk Israel angehören, welches in der Gefangenschaft und Diaspora lebt. Die Bibel in ihrer heutigen (kirchlichen) Interpretation sei eine Fehlauslegung, welche zu ihren ursprünglichen (afrikanischen) Aussagen zurückgeführt werden muss. In der Tat hat die Bibelauslegung der Rastafaris einiges an geschichtlichem Hintergrund zu bieten, der sich auch an der uralten christlichen Tradition Äthiopiens orientiert.
Eines der Hauptziele ist die Bekämpfung "Babylons", des unterdrückerischen "weißen" Systems, in all seinen Facetten, seien es Politik, Kirche, oder auch das "Babylon" in einem selbst, die Erziehung weg von Natur und Ursprung umzukehren oder die Erkennung und Bekämpfung des "Ego" in allen Varianten. Angestrebt ist eine Rückbesinnung auf Afrika (für Rastas afrikanischen Ursprungs oft sehr wichtig), während viele Rastas auch ohne afrikanischen Hintergrund ein Leben in Äthiopien, dem biblischen Zion, aus spirituellen Gruenden anstreben. 

Haartracht: Rastas erkennt man auch in Äthiopien zumeist an ihrer Haartracht, den sogenannten "Dreadlocks". Diese sind auf das alttestamentarische Nasirat ( 4. Mose, 6 ) zurückzuführen. Der dort beschriebenen Weihe gemä? soll man sein Haupthaar frei wachsen lassen, ohne Kamm und Schermesser zu verwenden, was zwangsläufig zu den bekannten Filztroddeln führt. Biblischer Vorreiter war beispielsweise Simson, der seine Kraft auf Geheiß Gottes aus seinem ungebändigten Haar zog. Andere Überlieferungen besagen, dass die frühen Rastafaris auf Jamaica Bilder der sog. "Mountain Lions" gesehen hatten. Dies war eine kaiserliche Spezialtruppe, welche geschworen hatte, keinen Frisör mehr aufzusuchen, bis die Italiener des Landes vertrieben seien. Auf alten Bildern sieht man daher manchmal Krieger mit langer verfilzter Mähne. Einige Rastafaris haben sich also auch daran orientiert, sehen ihre Dreads als Uniform des "JAHsoldier", des Kämpfers gegen Babylon.

Bekannte Musik: Weltweit bekannt wurde die Rastafari-Kultur wohl durch Bob Marley als Vorreiter der Reggaemusik und Verbreiter besagter Philosophie. Viele Musiker und Gläubige der Rastabewegung tragen die äthiopischen Nationalfarben oder den Loewen von Juda als Symbol ihrer Treue zum äthiopischen Kaiserhaus. Bis heute gibt es viele Reggaebands, Musikrichtungen und Strömungen, und so ist auch in Äthiopien der Reggae einer der Haupteinflüsse, den die Rastafaribewegung dort hinterlassen hat. Selbst in lokalen Auftritten oder Aufnahmen von äthiopischen Bands ist der Reggae nicht mehr wegzudenken. Athiopische Reggaemusiker wie Teddy Afro oder Eyob haben einen festen Platz in der äthiopischen Musikszene. 


Kalender und Zeitrechnung in Äthiopien

13 Months of Sunhine: Äthiopien hat einen eigenen Kalender. Dieser liegt sieben beziehungsweise acht Jahre hinter dem unseren zurück - abhängig davon, ob das neue äthiopische Jahr, das am 11. September beginnt, schon angefangen hat oder nicht.  Der äthiopische Kalender teilt das Jahr in 12 Monate mit 30 Tagen plus einem dreizehnten Monat mit 5 beziehungsweise 6 Tagen (im Falle eines Schaltjahres). Die äthiopische Tourismusbehörde wirbt daher zurecht mit dem Slogan "13 Months of Sunshine".

Ethiopian Millenium: Der äthiopische Kalender ähnelt dem julianischen Kalender, der ab dem 16. Jahrhundert in allen anderen Ländern sukzessive durch den gregorianischen Kalender abgelöst wurde. Auch der Kalender Äthiopiens beginnt seine Jahreszählung mit der Geburt von Jesus. Allerdings wird dessen Geburtsjahr von der Orthodoxen Kirche Äthiopiens (wie beim julianischen Kalender) später angenommen. Als einziges Land der Welt feierte deshalb Äthiopien den Jahrtausendwechsel erst im europäischen Jahr 2007. Ganz Äthiopien war und ist stolz auf diese Besonderheit und hat das Ethiopian Millenium damals über Wochen hin im ganzen Land gefeiert.

Die kirchlichen Feiertage sind in Äthiopien eng mit dem Kalender verbunden. Jedem der 30 Tage eines vollen Monats (also nicht dem 13. Monat) ist von der Orthodoxen Kirche Äthiopiens ein christlicher Feiertag zugewiesen. Zumeist handelt es sich dabei um die Verehrung eines bestimmten Heiligen. Kirchen, die dem jeweiligen Heiligen geweiht sind, feiern dann an diesem Tag ein großes Fest. Da im äthiopischen Kalender ebenso wie im julianischen Kalender keine Ausnahmen vom Vier-Jahres-Zyklus der Schaltjahre gemacht werden, sind viele (gleiche) kirchlichen Feiertage zu denen unserer Kirchen zeitversetzt. So wird beispielsweise in Äthiopien Weihnachten am 7. Januar gefeiert. Weitere sehr bekannte religiöse Feiertage in Äthiopien sind das Timkat-Fest am 19. Januar, das die Taufe Christi feiert, und Masqal, die Auffindung des wahren Kreuzes. 

Übersicht: Feiertage in Äthiopien

Äthiopiens Uhren ticken anders: Der Tag beginnt in Äthiopien bei Sonnenaufgang (sechs Uhr europäischer Zeit) und hat zwölf Stunden. Die Nacht (Beginn: 18 Uhr europäischer Zeit) hat ebenfalls 12 Stunden. 8:00 Uhr europäischer Zeit ist demnach 2:00 Uhr äthiopischer Zeit; 17:00 Uhr europäische Zeit ist 13:00 Uhr äthiopischer Zeit usw.


Folgende Tage sind festgelegt:
 
1. Lidet - Geburt der Jungfrau Maria
2. Taddäus und Abba Guba (einer der neun Heiligen)
3. Bäata - Eintritt Marias in den Tempel
4. Johannes
5. Abuna Gebremänfäs Kiddus, sowie Peter und Paul
6. Jesu Namen sowie Quesquam-Kloster, in dem die Heilige Familie bei ihrer Flucht aus Ägypten 6 Monate und 10 Tage lang am Tanasee gerastet haben soll
7. Heilige Dreifaltigkeit 
8. Abba Kiros
9. Thomas
10. Meskel - Kreuzfest
11. Hanna, Claudius
12. Michael
13. Zarak Burak - diener von Abunä Gebremänfäs Kiddus
14.  Abunä Aragawi (einer der neun Heiligen), sowie Gebrekristos, der Einsiedler
15. Kirkos - Cyiacus
16. Kidanemihirät (Bund der Barmherzigkeit)
17. Stefan, Abba Garima (einer der neun Heiligen)
18. Ewostatewos
19. Gabriei
20. Hindätä betä kristiyan besma - Errichtung der Marienkirche in Philippi
21. Igzi'itinä Maryam - Unsere Frau Maria
22. Deksyus - Ildefons von Toledo
23. Giorgii - Georg von Lydda
24. Abunä Teklehaimanot
25. Merkorewos - Mercurius
26. Abba Sälama - Frumentius
27. Medhanealem - Erlöser der Welt
28. Amanuel, Abraham, Issak, Jakob
29. Bäal Igzie/wäld - Fest Gottes/des Sohnes
30. Markus


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