. .
Währungen:
Sprachen:
Deutsch Englisch
Warenkorb »
Sie haben noch keine Artikel in Ihrem Warenkorb.
Anmeldung
eMail-Adresse:

Passwort:

Passwort vergessen?
Noch keinen Account?
Links
Äthiopien.de
Social Media

Facebook - Ethiopian Culture Fan werden

Diese Seite bookmarken

Äthiopische Kreuze


Äthiopische Kreuze

Kein anderes christliches Land der Welt hat so viele Kreuzformen hervorgebracht wie Äthiopien. Schon im 4. Jahrhundert verwendete das in Äthiopien liegende Reich von Aksum das Symbol des Kreuzes auf Münzen.  

Das Symbol des Kreuzes spielte in der äthiopischen Kirche seit frühchristlicher Zeit eine bedeutende Rolle. Der äthiopische König Ezana war der erste König der Welt, der das Symbol des Kreuzes auf Münzen prägen lies. Seit jener Zeit hat sich in Äthiopien eine einzigartige Vielfalt an Formen entwickelt, die noch heute im äthiopischen Alltag gegenwärtig ist. Kreuze werden in Äthiopien als Dachkreuze auf Kirchen und Klöstern, Vortragekreuze bei den Prozessionen, Handkreuze für die Segnung durch Priester sowie als Halskreuze der Gläubigen verwendet.

Dachkreuze
Auf jedem der in der Regel runden Kirchendächer Äthiopiens ist ein Dachkreuz angebracht, an deren Enden oft Strausseneiner gesteckt sind. Die Bedeutung der Eier ist nicht abschließend geklärt, da es mehrere Deutungen hierfür gibt. Am weit verbreitetsten ist die Meinung, dass es sich hierbei um die Sünden handelt, die dem Priester nicht gebeichtet wurden.

Vortragekreuze
Vortragekreuze begleiten jede Prozession der äthiopischen orthodoxen Kirche. Sie werden deshalb auch Prozessionskreuze genannt. Prozessionskreuze besitzen einen hohlen Schaft, mit dem sie auf einen hölzernen Stab gesteckt werden. Bei Prozessionen und religiösen Zeremonien können sie so über den Köpfen der Menge getragen werden. Nicht zuletzt wegen dieser Verwendung sind diese Kreuze zumeist groß und eindrucksvoll. Am unteren Ende befinden sich zwei Querbalken. Durch diese wird ein Streifen Stoff gezogen, mit dem das Kreuz von den Diakonen getragen werden kann. Der Stoff soll an die Kleider Christi erinnern.

Handkreuze
Handkreuze sind kleiner als Vortragekreuze und haben an Stelle eines Schaftes einen schmalen, massiven Griff. Jeder äthiopische Priester besitzt ein solches Handkreuz und trägt es ständig bei sich. Er legt es den Gläubigen zum Segnen auf die Stirn und diese küssen das Kreuz.

Halskreuze
Im 15. Jahrhundert erlies Kaißer Zara Jakob dann ein Dekret, wonach alle Christen ein Kreuz um den Hals tragen sollten. Zu diesem Zweck wird ein kleiner Ring am Kopfbalken befestigt, durch den eine Schnur (mateb) oder Kette gezogen werden kann. Seit der Christianisierung Äthiopiens im 4. Jahrhundert war schon immer die Schnur (mateb) das Zeichen des christlichen Glaubens, welche bei der Taufe um den Hals des neuen Christen geschlungen wurde. Manchmal hing ein kleines Kreuz an dieser Schnur.



Formen äthiopischer Kreuze

Besuchen Sie diese Seite bald wieder. Denn schon in Kürze lesen Sie an dieser Stelle mehr über die besonderen Formen der äthiopischen Kreuze.



Kreuzesverehrung in Äthiopien


Dorothea R. Killus, 2008.

Ein Merkmal des in Nordafrika gelegenen äthiopischen Reiches, das schon im 4. Jahrhundert das Christentum annahm, ist die Allgegenwart des Kreuzes, das auch von Nichtchristen hoch geachtet wird. Es begegnet einem in Hunderten von Spielarten, angefangen bei den kleinen Anhängerkreuzen über die vom Kirchenvolk innig geküßten Handkreuze der Priester und die großen Prozessionskreuze bis hin zu den weithin sichtbaren Dachkreuzen der Sakralbauten. Auch wird Kleidung mit dem Kreuz geschmückt, und es erscheint auf die Stirn oder Brust eintätowiert.

Dabei hat jede Gegend ihre eigene Kreuzesform entwickelt, bei deren Gestaltung in vielen Variationen auch Motive wie das des Lebensbaums und des Vogels oder die 4 als die Evangelistenzahl und die 5 als die der Wundmale Christi einbezogen werden. In Gondar etwa ist ein Kreuz heimisch, bei dem aus einem Quadrat eine Blume hervorwächst und das in Widderhörner ausläuft; in der Provinz Shoa, wo die Hauptstadt liegt, wird das Malteserkreuz oder ein Kreuz im Davidstern bevorzugt. Als das schönste Kreuz gilt das nach dem weltbekannten Lalibela benannte. Seine Grundform ist ein Oval, in dem die Trinität und die Schöpfung repräsentiert sind; um den Bogen gruppieren sich die 12 Apostel, und Flügelpaare stehen für das geistliche Leben der Christen.

Während vor allem die Silberkreuze zu den schönsten Gebilden äthiopischer Kirchenkunst gehören, verbindet sich mit dem Kreuz stets auch ein inneres Geheimnis. So verhindern beim Prozessionskreuz Stoffbahnen, dass der Träger es versehentlich berührt. Das "Fest der Auffindung des Kreuzes" (durch die Kaiserin Helena) gilt als eines der höchsten in der äthiopisch-orthodoxen Kirche und als das wichtigste Sakrament das Sich-bekreuzigen - Akt der Vergegenwärtigung des Leidens und Sterbens Jesu Christi.

Doch die Vergegenwärtigung geht noch weiter: Der im 15. Jahrhundert ergangenen Verordung des Köngis und Theologen Zar'a Ya`cob, dass jeder Christ ein Kreuz zu tragen habe, wird bis heute Folge geleistet. Wer es tut, sondert sich von Heiden und Moslems aus und macht sich als Zugehöriger zum Gottesvolk kenntlich. Für eine Braut dürfte es einer der bewegendsten Momente sein, wenn der Bräutigam ihr bei der Hochzeit ein kostbares Kreuz überreicht, das sie fortan um den Hals tragen wird, als ein mit den Sinnen erfaßbares Zeichen des perönlich zugeeigneten Heils. Denn: "Die Kirche lehrt, dass das Kreuz eine Zusammenfassung des Glaubens und der Erlösung ist. Es erinnert an die Bindung an Jesus Christus und gilt als starke Waffe im Kampf gegen das Böse".

Weshalb also, fragen wir, die äußere Verehrung des Kreuzes? Um seiner bewußten Verinnerlichung willen! Dabei geht es nicht nur um Christi Sterben, sondern auch um sein Auferstandensein und das ewige Leben.

Erstveröffentlichung in der Zeitschrift DIAKRSIS 1-2008 (Hrsg.: Institut Diakrisis, Gomaringen bei Tübingen). Abdruck mit freundlicher Genhemigung.


Zurück